Mathilde Franziska Anneke  (1817 - 1884)

 

1817 - 1833

es befindet sich in der Widumstraße im heutigen Hattingen-Blankenstein
hier wohnte Sie bis zum Umzug zum heutigen Blankenstein im Jahre 18XX

„Ein braunlockiges Mägdlein"
Kindheit in Sprockhövel und Blankenstein

Geboren wurde Mathilde Franziska Anneke auf dem Hof Oberleveringhausen in der früheren Landgemeinde Hiddinghausen, heute Stadt Sprockhövel. Ihre Familie war gut situiert  und gehörte der bürgerlichen Oberschicht an. Eine Besonderheit der Familie war ihre konfessionelle Mischung, die Geschwister sind teils evangelisch, teils katholisch getauft. Mathilde wuchs in einem toleranten, liebevollen aufgeklärten und sozial engagierten Elternhaus auf. Gemeinsam mit ihren Geschwistern erhielt sie neben der Schule privaten Unterricht.

1833 - 1847

Das „Capitalsfrauenzimmer"
über Wesel nach Münster

Nach einjähriger Ehe verließ Mathilde mit ihrer neugeborenen Tochter ihren gewalttätigen Ehemann,  wurde nach vier Jahren schuldig geschieden und musste von nun an ihren und ihres Kindes Lebensunterhalt selbst bestreiten. 
1839 zog sie nach Münster, betätigte sich schriftstellerisch und verkehrte in literarischen Kreisen. Der Dichter Ferdinand Freiligrath nannte sie  bewundernd ein „Capitalsfrauenzimmer“. Ihre wirtschaftliche Situation war sehr schwierig.

1847 - 1848

„Bleibt länger nicht die Betrogenen!"
von Münster nach Köln

Die persönlichen Erfahrungen dieser jungen Frau Ende 20, ihre Umgebung und die soziale und politische Situation (Massenelend und unterdrückte Demokratiebestrebungen) machten Mathilde im Laufe weniger Jahre zu einer politisch denkenden, radikalen Kritikerin der herrschenden Verhältnisse. Sie betrieb einen politischen Salon und bereicherte das gesellschaftliche Leben im Sinn einer demokratischen Umgestaltung von Staat und Gesellschaft. 1847 heiratete Mathilde den gleichgesinnten Ex-Leutnant Fritz Anneke und zog mit ihm nach Köln.  Ihm widmete sie ihre erste feministische Streitschrift „Das Weib in Conflict mit den socialen Verhältnissen“.

Mathilde Franziska Anneke war eine geschickte Reiterin und beteiligte sich selbst an den Badischen Kämpfen.

1848 - 1849

Zu Pferd: M.F.Anneke war eine ausgezeichnete Reiterin

„Wohlstand, Freiheit und Bildung für alle!"
von Köln in den Krieg nach Baden

In Köln führte Mathilde  Anneke  nun mit ihrem Fritz  ihren politischen Salon fort, der als  Keimzelle der Revolution von 1848/49 gelten kann. Hier trafen sich wichtige Personen der Revolution, auch Karl Marx war dabei, und aus diesem Salon heraus entstand der Kölner Arbeiterverein, und es wurde die „Neue Kölnische Zeitung“ gegründet, die das Organ der Revolution von 1848 wurde. Nach dem Verbot der Zeitung erscheint sie unter dem Namen „Frauen-Zeitung“. Die Auseinandersetzung zwischen den revolutionären Demokraten und den staatstragenden Kräften eskalierten 1849 im Badisch-Pfälzischen Aufstand. Fritz Anneke gehörte zu den militärischen Führern der Revolutionäre  und die gute Reiterin Mathilde diente ihm als berittene Ordonnanz. Fritz Annekes Adjutant(Gehilfe) war Carl Schurz, der spätere Innenminister der USA. Er beschrieb Mathilde als  „junge Frau von auffallender Schönheit, vielem Geist und großer Herzensgüte“.

 

1849 - 1860

„Die Vernunft befiehlt uns,
frei zu sein."

Emigration in den USA

Doch der Kampf ging verloren und die Annekes flohen über Frankreich in die USA und wurden als „Fortyeighter“ mit offenen Armen empfangen. Die Familie lebte überwiegend in Milwaukee (Wisconsin). Mathilde gründete die „Deutsche Frauen-Zeitung“, die erste feministische Zeitung, die von einer Frau in eigener Regie auf  amerikanischem Boden publiziert wurde. Mathilde wurde eine der aktivsten Streiterinnen der jungen amerikanischen Frauenbewegung. Sie forderte nicht nur das Frauenstimmrecht, sondern auch die Abschaffung der Sklaverei und die Gleichstellung der indigenen Bevölkerung.

 

1860 - 1865

„Fritz lässt mich dabei sehr im Stich!"
Rückkehr nach Europa und zurück in die USA

Mathilde und Fritz Anneke bekamen sechs gemeinsame Kinder, von denen vier früh starben. Dieser Verlust und andere Probleme belasteten die Ehe der Annekes schwer.  Dennoch folgte Mathilde ihrem Mann in die Schweiz, wo er als Kriegskorrespondenz arbeitete. Begleitet wurde sie von ihrer amerikanische Freundin, der Schriftstellerin  Mary Booth und ihren Kindern Herta und Percy. Hier erlebte Mathilde Anneke die fruchtbarsten Jahre ihres literarischen Schaffens. Nach einem Aufenthalt in Paris entschloss sich Mathilde nach Ende des Bürgerkriegs 1865, in die USA zurückzukehren. Eine große Stütze war ihr dabei ihre gute Freundin Mary Booth.

1865 - 1884

„Stets die höchsten Ideale."
die letzten Jahre

Mathilde Anneke kehrte nach Milwaukee zurück und  gründete dort mit der Pädagogin Cäcilie Kapp das Milwaukee-Töchter-Institut, eine Mädchenschule mit angeschlossenem Pensionat. Dort wurden nicht nur die klassischen „Mädchen-Fächer“ wie Hauswirtschaft etc. unterrichtet, sondern auch Mathematik und Naturwissenschaften. Es dauerte einige Jahre, bis sich die Schule etablieren konnte. Bis zu 65 Schülerinnen besuchten die angesehene Schule, die ein hohes Ansehen genoss. –1872 starb Fritz Anneke und 1877 Mathildes älteste Tochter Fanny. 1882 musste Mathilde aus Krankheitsgründen die Schule schließen. Sie starb  1884. In den Zeitungen gedachte man ihrer mit den Worten: „Eine der bedeutendsten deutsch-amerikanischen Frauen ist in ihr geschieden.“ Die Einführung des Frauenwahlrechts in den USA, für das sie jahrzehntelang gekämpft hatte, erlebte sie nicht mehr.